Seth

Was macht Channelings überzeugend?

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Mediale Botschaften haben Hochkonjunktur. Unübersehbar ist inzwischen die Vielzahl an medial begabten Personen, die Mitteilungen „höherer“ Wesen aus anderen Dimensionen des Seins übermitteln. Auch wenn ich die Möglichkeit solcher Kontakte nicht im geringsten bezweifle, ja gerade weil ich davon ausgehe, dass sich in den meisten Fällen tatsächlich Wesen aus anderen Sphären zu Wort melden, bedarf jeder dieser Botschaften einer kritischen Prüfung.

Wer spricht da?

Doch wie prüft man Äußerungen aus dem Jenseits? Ich empfehle Folgendes:

1. Hülle die Durchsage nicht in einen Nebel aus Weihrauch und Heiligkeit, so dass sie über jede Kritik erhaben ist! Mache dich selbst nicht zum ahnungslosen Kind, das einem allwissenden Übervater zuhört, sondern prüfe das Gesagte so, als käme es von einem anderen Menschen aus Fleisch und Blut!

2. Frage dich, ob die Durchsage substanziell Neues bringt! Nach allem, was man weiß, ist es für Wesen aus den sogenannten höheren Dimensionen nicht ganz einfach, sich in unserer materiellen Welt Gehör zu verschaffen. Weshalb sollten sie den Aufwand betreiben, um eine Nachricht zu übermitteln, die nichts Neues beinhaltet, ein Wissen, das längst in der Welt ist? Oder andersherum gefragt: Wie viel Kreativität und Originalität kommt zum Ausdruck?

3. Manche spüren die Energiequalität einer Durchsage. Auch hier bezweifle ich die Möglichkeit nicht, doch warne ich vor Autosuggestion. Wenn du glaubst, dass ein Erzengel im Raum ist und zu dir spricht, änderst du auf subtile Weise selbst deine Wahrnehmung. Es passiert leicht, dass du spürst, was du spüren willst. Wenn du nun prüfen möchtest, ob du dir selbst etwas vormachst, kannst du dich auf die Qualität des Gesagten konzentrieren. Ist die Sprache klar oder dunkel? Ist der Ton pathetisch, schwärmerisch oder nüchtern? Spricht das Wesen eindringlich und verkündet nicht Hinterfragbares oder zeigt es sich gelassen und bereit, den Wert seines Wissens zu relativieren. Und schließlich – ganz wichtig! – lässt es Humor erkennen?

4. Im Rahmen einer kritischen Prüfung lohnt es sich ferner, den Menschen, der als Medium in Erscheinung tritt, genauer zu betrachten. Wie steht dieser Mensch zu den Botschaften, die er übermittelt? Hast du den Eindruck, er oder sie ist ein eigener Kopf, der die gechannelten Botschaften und ihre Quelle kritisch hinterfragt, jemand mit eigenen Gedanken? Oder ist es ein Mensch, der sich vollkommen mit seinen Durchsagen identifiziert und gar keine Neigung zeigt, über Sinn und Wert des Empfangenen nachzudenken.

5. Natürlich empfiehlt es sich immer, dich selbst beim Zuhören oder Lesen der medial übermittelten Verlautbarungen zu prüfen. Was macht die Botschaft mit dir? Fühlst du dich getröstet, in deinen Ansichten bestätigt, menschlich aufgewertet oder gar geschmeichelt? Du erfährst nicht wirklich Neues, aber die Botschaft tut dir gut, fühlt sich vertraut an? In dem Fall erscheint es ratsam, dich zu fragen, ob du Trost, Bestätigung und Lob brauchst, heißt es doch, dass man sich das kreiert, was man braucht. Natürlich ist das nicht zu kritisieren, kann aber dazu führen, dass du die Mitteilungen voreingenommen aufnimmst. Möglicherweise gerätst du in Bezug auf die Quelle und ihre Ermunterungen in ein Abhängigkeitsverhältnis. Ganz anders ist die Situation, wenn die Botschaften dich irritieren, etwa weil sie dein gewohntes Denken in Frage stellen, dein Weltbild bedrohlich ins Wanken bringen oder dich anderweitig aus deiner Komfortzone reißen. Die Mitteilung befremdet und beunruhigt vielleicht, aber du spürst, dass etwas Verborgenes in dir angesprochen wird, etwas zutiefst Eigenes, das sich entfalten will. Du fühlst dich aufgerufen, über dich selbst hinauszuwachsen, dich von den Bedürfnissen des Ego frei zu machen.

Ein besonders heller Stern

Es gibt Medien und Channelings, die in meinen Augen (und Ohren) die hier beschriebene Prüfung nicht bestehen. Darüber will ich allerdings kein weiteres Wort verlieren. Stattdessen möchte ich ein Medium und ihr Werk hervorheben, die mich rundherum überzeugen. Die Rede ist von der US-amerikanischen Autorin und Seelenforscherin Jane Roberts, die zwischen 1963 und 1984 Botschaften von einem Wesen erhielt, das sich als „Seth“ bezeichnete. Aus der Zusammenarbeit von Jane und ihrem Ehemann Robert Butts mit Seth gingen 26 Bücher hervor, die zum größten Teil auch auf Deutsch erschienen sind.

Es ist nicht meine Absicht, eine Einführung in die Lehren Seths zu geben. Dafür verweise ich auf folgende Website – ohne damit zu ihrem Inhalt Stellung zu beziehen:

Mir geht es in diesem Artikel darum, aufzuzeigen, weshalb die Arbeit von Roberts und Butts sowie die Mitteilungen des Seth für mich glaubwürdig sind. Ich greife dabei auf die Kriterien zurück, die ich eingangs formuliert habe.

Zunächst einmal wird jeder, der sich damit befasst, feststellen, dass die Botschaften Seths in sich konsistent sind und ein komplexes sowie höchst originelles Lehrgebäude bilden. Es gibt sehr differenzierte, teils auch intellektuell anspruchsvolle Ausführungen zu den Themenbereichen Psychologie, Kosmologie, Metaphysik, Evolution und Urgeschichte. Vieles von dem, was Seth zum Universum, zum Bewusstsein, zur Kreativität oder zum Aufbau und zur Funktionsweise unseres Körpers mitteilte, ist bis heute einmalig und unvergleichlich geblieben. Er war meines Wissens der erste, der ausführlich und einsichtsvoll über die Bedeutung und Wirkungsweise von Glaubenssätzen sprach. Und was er zum Verhältnis von Viren und Gedanken zu sagen hat, erwies sich in den letzten Jahren als geradezu prophetisch.

Seth zeigte sich in seinen „Gesprächen“ mit Robert Butts, der zeitgleich immer alles akribisch notierte, als freundlicher, warmherziger und humorvoller Gast. Aus den Mitschriften und Randbemerkungen geht klar hervor, dass er sich als gleichwertiger Partner von Jane und Robert betrachtete, der Verehrung oder Beweihräucherung erst gar nicht aufkommen ließ. Seine Sprache ist durchgehend sachlich, fast wissenschaftlich, ohne jedoch „menschliche“ Wärme und Witz vermissen zu lassen. Apropos menschlich: Nach eigenen Aussagen, war Seth selbst mehrmals auf Erden inkarniert und dabei auch mit menschlichen Schwächen behaftet. So erzählt er „schmunzelnd“ von einem Dasein als beleibter Bischof, der dem Essen reichlich zusagte.

Besonders aufschlussreich ist es, Seths Medium näher zu betrachten. Jane Roberts war eine Autorin und Lyrikerin, die mit eigenen Werken, unabhängig von Seth, Erfolge erzielte. Sie war sprachbegabt und entwickelte sogar eine eigene Sprache, das sogenannte Sumari. Unermüdlich erforschte sie eigenständig die Welten des Geistes, insbesondere die Traumwelten. Jahrelang notierte sie ihre Träume sorgfältig und suchte deren Symbolsprache zu ergründen. Sie berichtet auch von luziden Träumen und anderen außersinnlichen Wahrnehmungen (ASW). Über längere Zeit leitete sie eine eigene ASW-Gruppe. Jane Roberts war ein kritischer Geist und keineswegs immer begeistert von den Botschaften Seths. Als gläubige Katholikin haderte sie lange mit den von ihr übermittelten Lehren, stellte sie immer wieder in Frage, zog sogar die Existenz Seths in Zweifel und schloss zeitlebens nicht aus, dass die Botschaften „nur“ ihrem Unterbewusstsein entstammten.

Da ich eher intellektuell und weniger emotional zentriert bin, empfinde ich die komplexen, tiefgründigen und mitunter auch komplizierten Ausführungen Seths als überaus anregend. Sie haben definitiv mein Weltbild verändert, genauer gesagt: geweitet. Es hat sich für mich als sehr lohnend erwiesen, darüber nachzudenken. Das heißt natürlich nicht, dass ich allen Äußerungen Seths zustimme. Was er beispielsweise zum Leben und Tod Christi sagt, stimmt mich skeptisch. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er mir das nicht übel nimmt. Anregend sind auch die zahlreichen Übungen, die Seth vorschlägt. Es geht um einfache, gangbare und originelle Wege, unsere beschränkte Wahrnehmung von Zeit und Raum zu überwinden, unser Bewusstsein zu erweitern.[1] Immer wieder zeigt sich Seths Anliegen, uns behutsam aus dem Gefängnis einengender Glaubenssätze zu befreien.

Kommentar

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[1] Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, all die in der Literatur verstreuten „Übungselemente“ abzutippen. Herausgekommen ist ein 14-seitiges Dokument. Melde dich bei dir, wenn du Interesse daran hast. Ich schicke dir die Auflistung gerne zu.


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