Gedichte

Hier findest du eine kleine Auswahl meiner Gedichte. Die vorangestellte Zahl bezeichnet die jeweilige Seitenzahl:

  1. Neschamah
  2. Wunder
  3. Zufall
  4. Kleid
  5. Der Versöhner – Helge Burggrabe gewidmet

Neschamah

Audio Version
Wenn überall der Schatten wächst,
die kalte Macht der Finsternis,
das Licht mir wie verloren scheint,
die Zukunft nur noch ungewiss,

wenn Böses auf dem Vormarsch ist,
sein übles Wollen mich bedrängt,
und ich mich angegriffen seh,
von irren Regeln eingezwängt,

wenn Unrecht frech sein Haupt erhebt,
sich skrupellos zum Recht erklärt,
die Menge davon nichts bemerkt,
weil kein Gelerntes sich bewährt,

wenn Lüge, ständig wiederholt,
die Wahrheit gänzlich übertönt,
und offenbare Dummheit gar
Vernunft und Redlichkeit verhöhnt,

wenn Häme, Spott und Strafe droht,
der Mensch, verroht, den Menschen hetzt,
Verwirrung allenthalben herrscht,
und Angst Gemeinschaften zersetzt,

so suche ich mein Heil bei dir,
du Neschamah, du reines Licht,
die du das Gute treu bewahrst,
im Blick stets Gottes Angesicht.

Verborgen vor der Welt bist du
und doch die einzig wahre Macht.
Du führst mich weise Tag für Tag
und spendest Trost mir jede Nacht.

Du lehrst die Liebe, die du bist,
und diese Welt so oft verkennt,
die Gott und Mensch in Einklang bringt
und heilig macht, wo jene trennt.

Ich weiß, dass mir die Liebe fehlt,
die Welt verträgt und wünscht sie nicht.
Doch du hältst sie für mich bereit,
dass mir’s an Hoffnung nicht gebricht.

An deinem Busen lass mich ruh’n,
erholen mich von Last und Leid,
Geborgen bin ich nur bei dir,
im Jetzt daheim, vom Zwang befreit.

Berechnung ist des Zwanges Kern.
Wer Angst hat, plant und kalkuliert.
Von dir jedoch hab ich gelernt,
dass Liebe niemals kontrolliert.

Behauptung ist des Zwanges Ziel.
Dann glaub ich, mir wird nichts geschenkt.
In Wahrheit werde ich umsorgt,
von dir zum Guten hingelenkt.

Vergeltung ist des Zwanges Schwert,
du rätst, dass ich es nicht berühr‘
am schärfsten nämlich ist sein Heft,
mich selbst verletzt es, wenn ich’s führ‘.

Drum hilf mir stetig, gib mir Kraft,
wenn mir der Hass entgegenschlägt,
und raune so, dass ich’s vernehm‘,
wie Weisheit ihre Worte wägt.

Denn Liebe braucht es in der Not.
Der Liebe Diener lass mich sein.
Sei Du im Innern, Neschamah,
das Heiligtum, ich bin dein Schrein.

Gestalt bin ich, sei du Gehalt,
des Lichtes Kern, und ich’s Gefäß.
Mach diesem Leib, so ist’s gedacht,
auf ewig deinem Licht gemäß.

Denn das ist doch des Daseins Grund,
der Sinn auch meiner Existenz:
Noch trübe ich des Geistes Licht,
noch fehlt es mir an Transparenz.

Befrei von Schlacken meine Form
und wirf Erstarrtes in die Glut,
bis du zu vollem Glanz erstrahlst
und endlich Licht im Lichte ruht.

Und so sind Angst und Schrecken da,
dass ich zu dir Vertrauen find‘ 
und Zuflucht such‘ in deinem Haus, 
wo wir im Geist verbunden sind.

Ich gib mich hin, ich glaub an dich.
Gewaltig bist du ohne Streit.
In Wahrheit macht uns Frieden stark,
dann lebt die Kraft der Einigkeit.

So prüfst du mich in dieser Welt
und nimmst mir beides, Schild und Schwert.
Denn wehrlos siegt die Liebe nur
und dieser Sieg ist alles wert.

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